Im Portrait
Am Start: Petra Förster

"Liebe Kabarettfreundinnen, werte Passivhumoristen sowie vergnügungssüchtige Satirejunkies, all ihr internetten Wellenreiter,
virtuellen Links-Händer und Suchmaschinenvolltreffer, Sie sind hier! Sie sind genau richtig!" So und nicht anders wird mensch
bereits auf ihrer Homepage willkommen geheißen, ihresgleichen spricht sie wenn sie auf der Bühne steht, nur privat, da wirkt sie
schon mal weniger spitzzüngisch, sogar ganz lieb und äußerst reizend. Petra Förster, schon seit 15 Jahren als Solokabarettistin dick im Geschäft,
sprach sich bereits vor einem Jahrzehnt in die Herzen der Lesben. Damals beeindruckte die Verbalexhibitionistin am Lesbenfrühlingstreffen unter
anderem durch die virtuelle Moderation eines Fußballspieles, welches sie allerdings in der Frauendisco stattfinden ließ. So traf "Uschi´s Blick scharf
rechts an Rita vorbei ins Abseits", zwei rivalisierende Mannschaften
wurden mit Szenecliquen verglichen und das Fußballfeld mutierte zur Szenespielwiese. Kurzum: Radikal unterhaltsam. Bedenklich intelligent. Empörend gut.

Jetzt, einige Zeit und Lachfalten samt Lüdenscheider Kleinkunstpreis später, tourt sie wieder durch die Gegend,
diesmal völlig szeneabstinent. Nach den "Schamlosen Lippen" präsentiert die Kabarettistin nun "Mit Herz und Hirn",
ein Best-of aus segensreichster Wortakrobatik, kombiniert mit skurriler Situationskomik und chamäleonartiger Verwandlungskunst.
Von der dozierenden Alten also zur käsekuchenessenden Menstruationsseelsorgerin, über die gestresste Mutter zweier Rotzlöffel zur predigenden
Ökoschleuder - und die Lederhose stetig drunter, nur das Goldjäckchen wurde uns als Petra präsentiert. Abgesehen davon merkt man der
gepflegten Sprachdomina eigentlich kaum an, dass eine gebürtige Erlangerin in ihr steckt, wird allerdings auf der Bühne ein fränkischer Scherzkeks
dargeboten, sitzen die Wurzeln perfekt. Von Treue kann man allerdings nicht sprechen, zieht sie die Schweizer Franken uns Anti-Preußen gnädigst vor,
nach fast 30 Jahren im Knoblauchsland verschwand die heute 41jährige erst nach Freiburg, dann nach Rheinfelden. Die Gründe dazu und darüber
versuchte ich also bei ihrem Solospektakel im "Fifty-Fifty" mehr oder weniger heimlich aus der Rhetorikdiva erster Klasse herauszulocken.

Was sind die schönen Seiten des Kabarett?
Nun, ich kann auf der Bühne tun und lassen, was ich will.
Über welche Thematik ziehst du am liebsten her?
Über alle Themen, die sich durch groben Unfug auszeichnen. Dicht gefolgt von den sympathischen Stolpersteinen des Lebens.
Wen spielst du am liebsten? Die Esotherikerin, die skurrile Alte, die Hetero-Hausfrau oder das Mannsweib?
Die skurrile Alte.
Du präsentierst eine Mischung aus einem Spiel mit imaginären Mitwirkenden und gesellschaftskritischer Stand-Up-Comedy - sind das alles deine eigenen Ideen?
Ja
Und wann kommen die dir?
Am Schreibtisch, beim Spaziergang mit meinem Hund, beim Joggen oder im Eiscafe.
Du machst seit 15 Jahren Kabarett und hast so einige wortgewandte Parabeln parat - wie lassen sich denn nun "Klammerbeziehungen mathematisch lösen"?
Weiß ich nicht, da ich keine Spezialistin für Klammerbeziehungen bin.
Du hast auch schon einen Preis bekommen. Findest du, du hast ihn verdient?
Auf jeden Fall!
Und was hast du als nächstes vor?
Ein Lesbenprogramm auf die Beine zu stellen, mit Highlights von früher und neuen Sachen.

Warum hast du deinen fränkischen Heimathafen gegen das fremde Freiburg eingetauscht? Doch nicht etwa wegen einer Frau?
Nein. Nicht wegen einer. Wegen mehrerer.
Und bist du noch zu haben?
Nein.
Mehr schlagfertige Wortmenagerie, Fotos & Videos, Presseglimmer und Kontakt findet ihr unter www.Petra-Foerster.de
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