Im Portrait
Am Start: Manuela Kay

Wenn eine Lesbe einen Porno dreht und ein Buch darüber schreibt, wie frau den Höhepunkt am geschmackvollsten erreicht, ist es spätestens jetzt an der Zeit, die Sexschwester der Nation etwas deutlicher unter die Lupe zu nehmen: Manuela Kay, geboren 1964 in Berlin und wohnhaft in Kreuzberg, seit 20 Jahren als Journalistin mit dem Schwerpunkt "queere" Kultur und Sexualität tätig, des weiteren Buchautorin und Filmproduzentin, Mitarbeiterin der Internationalen Filmfestspiele Berlin, von 1996 bis zum Sommer 2005 Redakteurin von Berlins schwul-lesbischem Stadtmagazin Siegessäule und last not least Chefredakteurin der L-MAG seit Anbeginn dieser Illustrierten im Sommer 2003. Doch viele Lesben verbinden den Namen der lüsternen Lady noch mit einem, oder besser gesagt DEM lesbischen Pornofilm, der immer wieder die Blicke der speichelnden Zuschauerinnen hypnotisierend der Leinwand entgegenwerfen lässt: Die Rede ist von "Airport", gedreht 1994 in Zusammenarbeit mit Silke Dunkhorst und offensichtlich das einzige augenscheinlich sexuelle Werk aus der Sicht einer Lesbe, unvergleichbar mit diversen anderen 0815-Pseudolesbenfilmchen. Sex Jahre später dann kam dann in Zusammenarbeit mit Anja Müller und anderen Autorinnen das Buch "Schöner kommen" auf den Markt, ein detailliertes "How to do it" für alle Spielarten lesbischer Sexualität, nicht nur für Newcomerinnen geeignet - hier findet man eben alles auf einen Blick, gegliedert in jeweils eine Erzählung, einen Sachbeitrag und mehrere Fotos zu einem der 15 Themen von "Anbahnung" bis "Blut" (Cutting), um dann nach "Heiß/Kalt" (Kerzenwachs und Eiswürfel) in Plastikfolie mumifiziert im Glossar auszuklingen. 2002 brachte das wollüstige Weib dann "Diese Liebe nehm ich mir" heraus, ein Buch welches das frauenliebende Geschöpf als zweites nach dem Coming Out lesen sollte, quasi in der Phase in der es gilt, als Lesbe voll und ganz die Welt zu entdecken. Ein Jahr später dann Teamwork in Kleinstarbeit: "Out im Kino", das erste klassische schwul-lesbische Filmlexikon erscheint in Deutschland und mit profunder Kenntnis, was Filmgeschichte, Hintergründe, lesbisch-schwule Bezüge betrifft, haben die beiden Autoren ein bewundernswertes Kompendium aus über 1000 Filmen zusammengestellt.
Und so langsam bewegt sich Miss Kay weg vom Bild der auftrumpfenden Sexgöttin, mochte sie sowieso lieber den Pfad der seriösen Journalistin einschlagen, was sich durchaus auch durch ihre jahrelange Arbeit in Szenemagazinen bemerkbar machte.
Kennt sich die Dame der erotischen Erkenntnisse, die übrigens den Tip gibt, offen für Affären zu sein, wenn es mit dem Sex nicht mehr klappt, nun denn wirklich so gut aus, wie es drunter ausschaut? Ist die Frau, die ursprünglich Astronautin werden wollte, wirklich dabei, heimlich eine lesbische Mafia aufzubauen? Und was weiß die liebestolle Schamlose wirklich über fesselnde Faustkämpfe, schmusende Schäferstündchen und lustvolle Leckereien? Eine Neuzeitheldin fragte nach.

Wie würdest du in einem Satz deine These untermauern, dass dir Monogamie altertümlich erscheint?
Weil ich es für ein heterosexuell-christliches Konzept halte, das zur Zweierbeziehung und Brutaufzucht drängt und einen von der Entfaltung der persönlichen Freiheit und Vielfältigkeit abhalten soll.
Demnach glaubst du nicht an die einzig wahre und große Liebe - oder findest du, es gibt nichts schöneres, als die persönliche Prinzessin gefunden zu haben, um sie anschließend mit anderen Frauen zu teilen?
Also ich teile grundsätzlich gern, auch Frauen, aber dazu muss eine nicht erst eine Prinzessin sein. Und ich denke mal so was hält nie besonders lange. Ich fänds aber schön wenn's viele Prinzessinnen im Leben gibt.
Sex contra Liebe - was überwiegt?
Ich glaub wenn es einfacher wäre in der lesbischen Community würde Sex überwiegen. Aber weil Frauen so kompliziert sind ist es nicht möglich unkomplizierten Sex zu haben ohne Liebe. Vor allem wenn man so emotional ist wie ich. Deshalb wiegt beides gleich auf.

Endlich mal eine bekennende Sexpertin am Start, die ich fragen kann, woran es liegt, dass so viele Lesben sich dann auserwählt fühlen, wenn sie ein gut funktionierendes Sexleben vorzuweisen haben. Was ist dran an dem Phänomen, dass Lesben sich so gern über die Bettkante hinaus profilieren, indem sie in der Öffentlichkeit ausschweifend damit zu prahlen beginnen?
Das liegt daran, dass über lesbische Sexualität nicht öffentlich gesprochen wird. Eine Beziehung oder Affäre bietet Anlass und gewissermaßen Legitimation dazu; aber eine konkrete Frau muss schon vorgewiesen werden, sonst wird man unglaubwürdig. Mangels Souveränität brauchen viele eine Partnerin um sich als sexuelles Wesen zu fühlen und sich zu präsentieren.
Findest du, Sex spielt in deinem Leben eine übergeordnete Rolle oder glaubst du, ein stinknormales, lesbisches Sexleben zu führen, mit dem Unterschied, deine Erfahrungen öffentlich zu machen?
Ich würde sagen Sex spielt keine übergeordnete Rolle aber es gilt als ungewöhnlich sich als Lesbe damit zu beschäftigen, so dass alle denken, es spielt eine übergeordnete Rolle. Eigentlich ist es außergewöhnlich als Lesbe darüber zu reden und weil ich darüber spreche bin ich plötzlich eine Ausnahme. Aber das hat nichts mit Häufigkeit oder der Intensität zu tun.

Du hast den ersten lesbischen Porno auf den Markt gebracht, wie war die Resonanz? Gab es Nachahmer/innen?
Es gab leider bis heute keine Nachahmer/innen, was ich sehr schade finde auf dem deutschen Markt. Die Resonanz war umwerfend groß, damals waren wir in vielen Talkshows eingeladen und auch der Mainstream riss sich drum. Es war schon toll weil lesbischer Sex ja sonst nie im Fernsehen behandelt wurde. Ich bin auch kein Sex-Maniac nur weil ich mich traue darüber zu reden. Die Resonanz war wirklich klasse, obwohl das Publikum 1994 noch recht schockiert war. Der Film wird tatsächlich auch immer wieder auf schwul-lesbischen Filmfestivals gezeigt, obwohl es eigentlich ein Amateurvideo ist. Und mittlerweile ist das lesbische Publikum auch nicht mehr so schockiert. Allerdings zieht der Film eher Frauen über 30 an, junge Dinger trauen sich da oft nicht ran, die gewisse Reife fehlt.
Die L-MAG zu gründen, war das deine Idee?
Nö. Von meinem schwulen Verleger. "Lassen Sie uns doch mal was für Lesben machen", hat er gesagt.

Wann erscheint eigentlich www.ManuelaKay.de?
Oh, gar nicht.
Warum nicht?
Ich glaub auch nicht dass es irgendjemand will. Die sollen L-MAG lesen.
Und bist du noch zu haben?
Ja, immer!
Die Bücher von Manuela Kay sind überall im Handel zu erwerben, ihr Film "Airport" ist im schwul-lesbischen Erotikhandel erhältlich und weiteres Spannendes findet ihr unter www.L-MAG.de
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